Ein Nazi bewacht Nazis

Ein Nazi bewacht Nazis

Die juristische Aufarbeitung des Naziüberfalls auf Leipzig-Connewitz deckt Pannen, Nachlässigkeit und offensichtliche Naziverstrickungen in der sächsischen Justiz auf.

Am Abend des 11. Januar 2016 hatten sich über 200 Nazis und Hooligans über die sozialen Medien zu einem „Sturm auf Connewitz“ verabredet. Der Mob zog durch den alternativen Stadtteil Leipzigs, zerstörte Geschäfte und attackierte Menschen.

215 Beteiligte wurden von der Polizei gekesselt. In den folgenden Tagen war schnell klar, aus welchem Spektrum die Nazis kamen, wie sie untereinander vernetzt waren und wie sich verabreden konnten.

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Die juristische Aufarbeitung dauert bis heute an.

Zwei der Täter waren / sind Angestellte der sächsischen Justiz

Kersten H. – In Connewitz auf frischer Tat ertappt und zunächst festgesetzt, wurde erst knapp 3 Jahre nach dem Überfall suspendiert. Bis dahin tat er Dienst als Beamter im Leipziger und Bautzener Strafvollzug: Selbst das sächsische Justizministerium musste zugeben, dass er dort Kontakt zu Insassen gehabt haben könnte, mit denen er gemeinsam durch Connewitz marodiert war. Kersten H. war zeitweise auf eben jener Station eingesetzt, in der z.B. Phillip W. einsaß – ein Mitglied der rechtsterroristischen Gruppe Freital. Es lässt sich nur mutmaßen, wie intensiv der Austausch zwischen dem Nazi im Dienst der Justiz und seinen inhaftierten Kameraden war.
Nachdem Kersten H. im Januar 2020 nicht zu seiner Verhandlung erschien, wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

https://www.tagesspiegel.de/politik/neonazi-ueberfall-in-leipzig-beim-sturm-auf-connewitz-war-auch-ein-justizbeamter-beteiligt/24998216.html

Brian E. – Der Rechtsreferendar behauptete, nur zufällig in die Gruppe der Randalierer geraten zu sein und keine Verbindung zur rechten Szene zu haben. Dagegen sprachen aber szenetypische Kleidung, Hakenkreuz-Tattoos und Fotos, die ihn mit Mitgliedern der Identitären Bewegung (IB) zeigen. Obwohl er Berufung einlegte, wurde er letztendlich wegen schweren Landfriedensbruchs zu 1,5 Jahren auf Bewährung verurteilt. Im Mai 2020 entscheidet das Oberlandesgericht Dresden, dass Brian E. seinen Referendariatsdienst fortsetzen darf.

https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/urteil-rechtsreferendar-sachsen-100.html
https://www.lto.de/recht/studium-referendariat/s/olg-leipzig-krawalle-neonazis-prozess-referendar-sachsen-darf-bleiben-justiz-landfriedensbruch-rechtskraeftig/

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