Die nicht ganz geheimen Dienstgeheimnisse des Berliner Polizisten Detlef M.

Die nicht ganz geheimen Dienstgeheimnisse des Berliner Polizisten Detlef M.

Der Berliner Polizeibeamte Detlef M. nutzt laut eines Artikels der taz
seine Stellung aus, um seine AfD-Parteifreunde mit Dienstgeheimnissen zu versorgen. Gleichzeitig scheint er eine beunruhigende Nähe zu den möglichen Drahtziehern hinter einer Nazi-Anschlagsserie in Neukölln zu haben.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Detlef M. wegen des
Verdachts, er habe Dienstgeheimnisse über den Anschlag am Berliner
Breitscheidplatz in einer Telegram-Gruppe an seine Parteifreunde
verraten.

In der entsprechenden Telegram-Gruppe war auch Tilo P. Mitglied, mit dem sich Detlef M. auch schon im Herbst 2016 per E-Mail austauschte. Tilo P. ist Mitglied der AfD in Neukölln und zusammen mit dem NPD-Mitglied Sebastian T. vermutlich einer der Verantwortlichen hinter einer Anschlagsserie in Berlin Neukölln, der seit Frühling 2016 mehr als 60 Straftaten zugerechnet werden. So wurden Sebastian T. und Tilo P. beispielsweise dabei überwacht, wie sie den Linken-Kommunalpolitiker Ferat Kocak ausspionierten, auf dessen Auto und Haus kurze Zeit später ein Brandanschlag verübt wurde.

In einer E-Mail an den Berliner AfD-Vorsitzenden Georg Pazderski
schildert ein AfD-Mitglied des Bezirksverbandes Neukölln, dass es eine große Nähe zwischen dem AfD-Bezirksvorstand und der Neonaziszene im Bezirk gebe. Darin heißt es, dass der bereits erwähnte Sebastian T. an einer AfD-Veranstaltung in Neukölln teilnahm, obwohl die Neuköllner AfDler seine Neonaziaktivitäten kannten. Sie begrüßten Sebastian T. freundschaftlich und verschwiegen seine Zugehörigkeit zur Neonaziszene den anderen AfD-Mitgliedern. Der Verfasser der E-Mail geht davon aus, dass die Mitglieder des Neuköllner AfD-Vorstandes eng mit der Neonaziszene verbandelt seien. Dies nahm Pazderski zum Anlass, ein Parteiausschlussverfahren gegen Tilo P. einzuleiten. Ob Tilo P. inzwischen ausgeschlossen wurde, ist aber nicht bekannt.

Genau in diesem Bezirksverband der AfD, wo laut der Schilderungen
eines AfD-Mitglieds eine zu große Nähe von AfD-Vorstand zur Neuköllner Neonaziszene besteht, ist der Polizeibeamte Detlef M. inzwischen nicht mehr nur einfaches Mitglied, sondern seit Oktober 2019 Rechnungsprüfer. Es bleibt zu klären, ob diese Verbindung zwischen einem Polizeibeamten, der mutmaßlich Dienstgeheimnisse an seine Parteifreunde weitergibt, und den Hauptverdächtigen einer Neonazi-Anschlagsserie in Neukölln der Grund dafür ist, warum es seit 2016 der Polizei nicht gelingt, die Anschlagsserie zu stoppen und den Drahtziehern das Handwerk zu legen.

Quellen:
https://taz.de/Anschlag-auf-Berliner-Weihnachtsmarkt/!5688454/
https://taz.de/Ermittlungen-gegen-Berliner-Beamten/!5690788/

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