Die Charlotten­burger

Die Charlotten­burger

„Die Charlottenburger“ wurden sie genannt: 48 ehemalige Mitglieder des Reichs­sicherheits­hauptamtes bildeten den Kern des neugegründeten Bundeskriminalamtes in der BRD in den 50er bis 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Einer von ihnen war Paul Dickopf, seine Karriere begann als Gestapo-Doppelagent in der Schweiz. Nach dem Krieg diente er sich den Amerikanern und der CIA an. Mit deren Hilfe kam er 1950 in eine leitende Position im BKA. Dickopf sorgte dafür, dass weitere ehemalige Nazis Chefs im BKA wurden. Unter anderem Kurt Amend, Chef-Fahnder im Reichs­kriminal­amt. Er dürfte hunderttausende Menschen auf dem Gewissen haben. Mit seinen „intelligenten“ Fahndungsmethoden hat er während des 2. Weltkriegs dafür gesorgt, dass „Asoziale“, Sinti und Roma, „unzuverlässige Elemente“, Deserteure, Arbeitssklaven und Jüdinnen und Juden den KZ und Vernichtungslagern zugeführt werden konnten. Er starb 1964 unbehelligt und hoch befördert.

Oder Dr. Bernhard Niggemeyer, leitender Feld­polizei­­direktor in Russland. Ihm unterstand unter anderem die Feldpolizei­gruppe 723, verantwortlich für 3137 Exekutionen von 1941 – 1943. Noch auf dem Rückzug 1944 wurden unter seinem Befehl 675 Personen exekutiert.

SS-Hauptsturm­bannführer Theo Savecke wurde der „Henker von Mailand“ genannt, weil er dort im August 1944 15 Widerstands­­kämpfer öffentlich erschießen ließ. Dafür wurde er 1999 von einem italienischen Gericht zum Tode verurteilt. Im BKA war er im Wesentlichen mit den gleichen Aufgaben betraut: Abwehr von linksradikalen Gruppen. Alle Ermittlungen gegen Savecke in der Bundesrepublik wurden eingestellt. Er starb 2000 unbehelligt in Osnabrück.

Dickopf wurde nicht zu Unrecht als der „Architekt des BKA“ bezeichnet. Er und seine „Kollegen“ organisierten das BKA nach dem Vorbild des Reichs­­­kriminal­­­­hauptamtes. Richtlinien für Fahndung, Rausch­­­gift­­­bekämpfung usw. wurden weitgehend unter Ausklammerung des NS-Jargon fast wörtlich übernommen. So wurde z.B. der Begriff „Zigeunerunwesen“ in „Landfahrerplage“ umbenannt. Das BKA übernahm Vorschriften und sogar Formulare des „Dritten Reichs“. Die Herrschaft der „Charlottenburger“ war bis in die 70er Jahre hinein durch Duckmäusertum, Postengeschacher und Bürokratismus gekennzeichnet. Aber nicht nur das. Das BKA unterhielt international gute Beziehungen zu den Polizeibehörden des Apartheidstaats Südafrika und zu anderen diktatorischen Staaten in Südamerika und Afrika. Kritik z.B. an deren Foltermethoden wurde dabei bewusst ausgespart. Unter der Hand wurden die dortigen Kollegen beneidet.

Dickopf machte im BKA Karriere. Zunächst war er stellvertretender Chef des BKA. Als Leiter der Auslands­abteilung war er für den Aufbau von Interpol mitverantwortlich. 1965 wurde er BKA-Präsident. Als er am 1. Juli 1968 sein Amt niederlegte, nannte ihn Innenminister Genscher „ein Vorbild für die gesamte deutsche Polizei“. In seinem Heimatort Müschenbach ist eine Straße nach ihm benannt.

Quellen:
www.dieter-schenk.info/Anhang/Publikationen/vortraege/Die-Charlottenburger-1.pdf
de.wikipedia.org/wiki/Paul_Dickopf

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